Sie haben “keinen Bock auf Nazis”, schon gar nicht im Landkreis Altötting: Sebastian Müller (v.l.), 1. Vorsitzender der Bunten Aktion, Journalist Robert Andreasch und Hannes Schwankner, Jugendbeauftragter der Stadt Burghausen.
Sie haben “keinen Bock auf Nazis”, schon gar nicht im Landkreis Altötting: Sebastian Müller (v.l.), 1. Vorsitzender der Bunten Aktion, Journalist Robert Andreasch und Hannes Schwankner, Jugendbeauftragter der Stadt Burghausen. − Foto: Grebler
Mitten in Burghausen pöbelten am Dienstagabend zwei Neonazis die Besucher einer Infoveranstaltung im Bürgerhaus an. Die Männer wollten den Vortrag über “Die extremen Rechten in Bayern” stören. “In Facebook hat sich sogar eine Gruppe gebildet, die die Veranstaltung stürmen wollte”, sagt Sebastian Müller, 1. Vorsitzender der “Bunten Aktion”. Er erteilte den Männern einen Platzverweis. Erst nach diversen weiteren Pöbeleien verschwanden sie in Richtung Tiefgarage.
“Es ist gruselig, dass es auch im Landkreis Altötting fast ein Dutzend Neonazis gibt”, sagt Müller. Er selbst hat es schon erlebt, wie sie innerhalb weniger Stunden bis zu hundert Gleichgesinnte aktivieren können: “Vor dem McDonalds Parkplatz in Altötting haben sie sich einmal getroffen, das waren rund 50 Autos mit Kennzeichen AÖ, die restlichen 50 kamen aus ganz Bayern.” Parteien, wie die NPD, arbeiten ganz offen in der Region. “In Mühldorf werden zum Beispiel Flyer mit rechten Texten verteilt, das Impressum führt dann aber zur NPD”, sagt Sebastian Müller. Aufkleber der rechtsradikalen Gruppe Hammerskins werden an Bushaltestellen im ganzen Landkreis Altötting geklebt.
Die Bunte Aktion hat nun zusammen mit dem Jugendbüro Burghausen reagiert und will über die rechte Gefahr aufklären. Deshalb haben sie mit Robert Andreasch einen Experten in Sachen Rechtsextremismus eingeladen. Seit 15 Jahren beobachtet der Journalist Neonazis in Bayern und darüber hinaus. Eigentlich sollte Andreasch am Mittwoch auch in Halsbach beim Mitterwirt eine Infoveranstaltung gegen Rechts abhalten. Diese musste aber kurzfristig abgesagt werden, da Prälat Josef Krumbachner am selben Tag beerdigt wurde. Deswegen fand nur ein Infoabend von Andreasch im Landkreis statt. Rund 150 Zuhörer kamen zu dem Vortrag.
Publiziert v. Erwin Kellermann